Was ist eigentlich … Bockshornklee?

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestPrint this pageEmail this to someone

Können Sie sich noch an die EHEC-Epidemie im Sommer 2011 erinnern? Wissen Sie mittlerweile eigentlich woher der Erreger genau kam? Waren es die Gurken, Tomaten oder doch die Sprossen? Viele munkeln, dass  der Bockshornkleesamen aus Ägypten, der in Europa zu Sprossengemüse weiterverarbeitet wird, verantwortlich dafür war. Außer als Auslöser des EHEC-Skandals erfreut sich der Bockshornklee hierzulande aber keiner allzu großen Bekanntheit und das obwohl ihn eine jahrtausendlange Geschichte begleitet – denn schon seit 4000 v.Chr. ist  der Samen ein beliebtes Allheilmittel auf der ganzen Welt.

Der Bockshornklee gehört als Schmetterlingsblütler zur Familie der Hülsenfrüchte und gedeiht am besten mit viel Sonnenlicht auf lehmigem Boden. Die Blütezeit der 30 bis maximal 80 cm hohen Pflanze ist in den Monaten April bis Juli. Die schmalen, hornförmigen, ca. 10 cm langen Hülsenfrüchte des Bockshornklees geben der Pflanze auch ihren Namen, denn diese erinnern an die Hörner eines Ziegenbocks. Der „hornige“ Klee hat aber noch viele andere Namen wie beispielsweise Ziegenhorn, Hirschwundkraut, Rehkörner, Schöne Margarethe, feine Grete oder, in der Bodybuilderszene, Fenugreek.

Ursprünglich stammt der Bockshornklee aus Indien. Dort wusste man schon im Altertum um seine universellen Anwendungsmöglichkeiten Bescheid und verwendete ihn so beispielsweise zur Kühlung von Pocken. Auch die alten Ägypter schätzten den  aromatischen Samen der Frucht auf Grund seiner stärkenden Wirkung, werdende Mütter erhofften sich durch den Klee Schmerzlinderung bei der Geburt  und  auch als  Zusatz in Brotmehlen und Gewürzen fand er im Land der Pharaonen Verwendung. Die Tatsache, dass sogar im Grab des Tutenchamun, einem der wichtigsten altägyptischen Könige,  Samen des Bockshornklees gefunden wurden, zeigt, wie sehr sie die Hülsenfrucht achteten. Nach Deutschland kam der Bockshornklee dank Karl des Großen; dieser erließ  im neunten Jahrhundert  eine Verordnung die vorschrieb, die Pflanze in den Klostergärten des Königreiches anzupflanzen. Hierzulande wurde der Klee zu dieser Zeit dann hauptsächlich zur Heilung von Hautkrankheiten verwendet.

Heutzutage finden wir das Kleegewächs als Wildwuchs  kaum noch in unseren heimischen Gegenden, sondern, neben Vorkommen in Mittelmeerländern, China, Afrika  und im Nahen Osten,  überwiegend in den Hauptanbaugebieten Marokko und Indien. Eigentlich schade, denn diese Länder machen uns den richtigen Umgang mit der mysteriösen Hülsenfrucht bereits vor: in trockenen Gebieten wird der relativ pflegeleichte Bockshornklee gerne als Nahrungs- oder Futterpflanze angebaut, man verwendet ihn als Gewürz für Speisen wie z.B.  der türkischen Trockenfleischspezialität Pastırma und als Zutat für die bulgarische Würzmischung Tschubritza oder Currypulver (Rezept) verleiht er vielen Gerichten einen orientalischen Touch. Wer zum ersten Mal frischen Bockshornklee in den Händen hält, könnte bei dessen eher unangenehmen, heuartigen Geruch vielleicht zunächst Bedenken haben ihn tatsächlich als Gewürz zu nutzen. Doch haben Sie keine Bedenken, denn in den meisten Fällen müssen Sie die Samen vor dem Gebrauch kochen oder rösten, wobei sich der anfänglich strenge Geruch in ein angenehmes Aroma wandelt, welches sich beim Mitkochen voll entfaltet. Aber auch die Keimlinge und grünen Blätter mit ihrem stark würzigen und bitteren Geschmack eignen sich ideal in der Küche, zum Beispiel für Salate.

Bockshornklee macht aber nicht nur im Kochtopf eine gute Figur, sondern hat sich vor allem in der heutigen Volksheilkunde als vielseitig einsetzbares Heilmittel das mit Vitaminen (C, E, A, D), Schleimstoffen, ätherischen Ölen, Spurenelementen (z.B. Chrom) und vielem mehr den ganzen Körper stärkt, einen Namen gemacht. Gezielter soll er bei einem hohen Blutzucker- und LDL-Cholesterin-Wert, Atemwegsbeschwerden, Nasennebenhöhlenentzündungen, Rheuma, Appetitlosigkeit und sogar Leberschäden (dank der enthaltenen Aminosäure Histidin) Abhilfe schaffen. Für werdende und frisch gebackene Mütter hat das Kleegewächs auch noch eine ganz besondere Wirkung in sich, denn die Einnahme während der Stillzeit soll die Milchbildung erhöhen. Auch im Bereich der äußeren Anwendung findet der Bockshornklee Verwendung und wird hier vor allem zur Behandlung von Entzündungen und Ekzemen eingesetzt. Verabreicht wird die Hülsenfrucht je nach Anwendungsgebiet  in Form von Tee, besonders beliebt in China, Indien und Tibet, als Wickel, Brei oder als im Handel erhältliches Pulver.

Wer seinen Eintöpfen (Rezept), Gemüsegerichten (Rezept) oder Chutneys eine orientalische Note verleihen will, sollte auf Bockshornklee nicht verzichten. Auch viele Restaurants verwenden das Gewürz aus 1001 Nacht und warten nur darauf Sie zu empfangen. Mit speisekarte.de sind Sie nur einen Klick weit davon entfernt.

Bockshornklee war übrigens die richtige Antwort auf die 97. Frage im Schlemmerquiz: Welches kleeartige Gewächs verleiht jedem Currypulver das gewisse Etwas?

Bild: Fenugreek (Methi) seeds […] von Humbads Kua
Quelle: Wikimedia

Schreibe einen Kommentar