Was isst man … im Alten Rom?

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An dieser Stelle möchten wir wieder einmal unseren Bildungsauftrag wahrnehmen und unseren Lesern althergebrachte Tischsitten etwas näher bringen – wie zum Beispiel jene aus dem Alten Rom, ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Ein grobes Bild der damaligen Lebensart kann sich jeder machen, der schon einmal einen Asterix-Comic gelesen hat. Werfen wir also einmal einen Blick an den Tisch jener gut betuchten Herrschaften in ihren weißen Gewändern.

Um die Mahlzeiten mit seiner täglichen Arbeit in Einklang zu bringen, erledigte der typische Alt-Römer sämtliche Besorgungen bereits am Vormittag. So hatte er zur Mittagszeit frei und konnte sich dem Besuch einer öffentlichen Badeanstalt widmen. Dort wurde die seriöse Kleidung (Toga) gegen eine etwas bequemere getauscht – so war man nach dem Baden auch angemessen eingekleidet, um einer Einladung zum Essen zu folgen.

Der alte Römer mochte es bequem. Das Essen wurde nicht nur in komfortabler Kleidung, sondern auch in komfortabler Haltung eingenommen – im Liegen nämlich. Für die Nahrungsaufnahme gab es spezielle Speisesofas (Triclinium – so wie es übrigens auch Sofas für das Schlafen und Arbeiten gab). Bis zu drei Personen hatten auf einem Sofa Platz. Die Sitzordnung gestaltete sich sehr komplex und richtete sich nach Familienzugehörigkeit, Rang und Namen der Gäste. Ein Ehrengast musste beispielsweise so liegen, dass ihn der Gastgeber ohne Drehung  direkt ansehen konnte – ein Hoch auf die Bequemlichkeit!

Da lag man also auf den linken Arm gestützt und nahm das Essen mit der rechten Hand zu sich. Das einhändige Essen machte die Benutzung von Besteck natürlich etwas umständlich. Die Speisen wurden daher in der Regel bereits in der Küche mundgerecht zerteilt. Schnecken, Eier und Muscheln wurden mit speziellen Löffeln und der freien Hand gegessen. Größere Speisen wie Hasen, Poularden (ein zeitgemäßes Rezept),  Kapaune (ein zeitgemäßes Rezept), Saueuter oder Wildschwein (Rezept) wurden direkt bei Tisch zerteilt, um sicher zu stellen, dass das Küchenpersonal nicht die besten Stücke für sich behielt. Die Darbietung der Speisen kommt dem aktuellen Trend der Molekularküche nahe – ein guter Koch sorgte dafür, dass die Zutaten weder am Aussehen noch am Geschmack identifiziert werden konnten. Mit außergewöhnlichen Speisen sicherte sich der Gastgeber die Bewunderung seiner Gäste: Frische Austern waren damals wie heute eine Delikatesse. Etwas abgefahrener kommen gebackene Singdrosseln, Siebenschläfer in Honig, Muränen (Rezept) oder Flamingobraten daher.
Zur Nachspeise wurden meist Früchte wie Datteln, Feigen, Granatäpfel oder Quitten gereicht.

Außergewöhnliche Zutaten, die übrigens noch heute Verwendung in der Küche finden, sind Malven (Rezept), Brennnessel (Rezept), Bockshornklee (Rezept) und Sauerampfer (Rezept).

Das Vorurteil, dass man sich mit Hilfe eines Federkiels der zu sich genommenen Speisen entledigte, um Platz für mehr zu machen, stimmt übrigens nicht. Tatsächlich galt diese Praktik als sehr unsittlich und wurde nur von Wenigen ausgeführt.

Im alten Rom wurde sehr viel Wert auf gute Manieren gelegt. Das Essen musste sehr vorsichtig mit den Fingerspitzen zu sich genommen werden. Zur Reinigung der Hände zwischendurch wurden Wasserschälchen gereicht. Auch gab es bereits Servietten, die zum einen der Reinigung, zum anderen aber auch der Mitnahme von Speisen und Gastgeschenken dienten. Kleine Geschenke, die man seinen Gästen im Verlauf des Essens zukommen ließ, gehörten im alten Rom zum guten Ton. Neben Kleidung und Parfums wurden auch Nahrungsmittel wie Marzipanschweine (Anleitung) verschenkt.

Ein altrömisches Gelage können wir Ihnen leider nicht mehr bieten. Aber lassen Sie sich doch von einem italienischen Restaurant in Ihrer Nähe die moderne mediterrane Küche etwas näher bringen.

Der aufmerksame Leser wird die Antwort auf die aktuelle Schlemmerquiz-Frage bereits entdeckt haben. Wir wollten wissen, was ein Triclinium ist. Die richtige Antwort lautet: Speisesofa.

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