Was ist eigentlich… westfälische Küche?

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Die Bezeichnung „westfälische Küche“ umfasst die Regionen Münsterland, Tecklenburger Land, Ostwestfalen, das Sauerland (ohne das Hessische Upland), das Wittgensteiner Land, Siegerland (soweit zu Westfalen gehörig) und den westfälischen Teil des Ruhrgebiets. Grob kann man diese Küchenrichtung der norddeutschen Küche zuordnen, da ihr Gebiet nördlich des sogenannten „Weißwurstäquators“ liegt. Außerdem kennt sie die norddeutsche Kombination von fettig, süß und warm, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie die Küche Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Allerdings spielt der Fisch aufgrund der binnenländischen Lage eine sehr viel kleinere Rolle als in der typischen norddeutschen Küche. Die Grenzen zu den benachbarten Küchenregionen sind, wie überall anders auch, fließend. Im Osten und Norden wird sächsisch gekocht, im Süden trifft die westfälische auf die hessische Küche und im Westen ist die rheinische Küche verortet.

Schon der kulturelle Hintergrund macht die westfälische Küche zu etwas Besonderem. In Westfalen treffen nämlich zwei Extreme aufeinander. Auf der einen Seite stehen das Ruhrgebiet mit seiner Arbeitskultur, die Industriegeschichte und ein rasanter Strukturwandel. Dieser hat dafür gesorgt, dass die dortige Gesellschaft sich dem ständigen Wandel angepasst hat und sehr modern ist. Dementgegen stehen die Menschen in den ländlichen Gebieten, die sehr traditionsverbunden und heimatliebend leben, was sich auch in den Kochtöpfen widerspiegelt.

Ursprünglich war die westfälische Küche einfach und deftig. Diese Charakteristika hat sie zwar bis heute bewahrt, konnte aber dennoch den Einflüssen aus den umliegenden Regionen und der europäischen Küche nicht entgehen, was allerdings nur von Vorteil ist. So finden sich neben vielen besonderen, einzigartigen Spezialitäten auch die lokalen Gerichte, die ihren bodenständigen Charakter nicht verloren haben.

Der Westfälische Schinken ist eine Spezialität der Westfalen, die mittlerweile international bekannt und beliebt ist. Der traditionelle Rohschinken hat ein besonders würziges Aroma, welches dadurch entsteht, dass der Röhrenknochen während des gesamten Herstellungsprozesses im Schinken verbleibt. Bereits seit dem Frühmittelalter wird der Leckerbissen in der Münsterlinder Tieflandsbucht, im Osnabrücker Land und im Sauerland hergestellt. Angeschnitten wurde der Schinken traditionell im Mai, zum Ruf des Kuckucks. Daraus ergab sich auch die bis heute übliche Kombination von Spargel und Schinken. Natürlich gibt es auch andere raffinierte Rezept, die sie mit diesem Schinken einmal ausprobieren sollten, zum Beispiel Westfälischer Schinken in Burgunder oder Ziegenkäse-Crostini mit westfälischem Knochenschinken und Zwiebelconfit.

Weltbekannt ist auch der Pumpernickel, ein Vollkornbrot aus Roggenschrot, das seinen Ursprung in der westfälischen Küche hat. Im Ausland gilt der Klassiker als typisch deutsches Brot. Die älteste Pumpernickelbäckerei, die noch immer existiert und sogar noch in Familienbesitz ist, liegt in Soest. Sie besteht seit 1570. Da Soest vollständig von fremdem Gebiet umgeben war, fanden oft Belagerungen statt, die sich häufig in die Länge zogen. Pumpernickel waren wegen ihrer langen Haltbarkeit angeblich die Notration der Soester während einer solchen Belagerung. Das Brot ist von der Konsistenz her kompakt, feucht und etwas brüchig. Da es bei niedrigen Temperaturen gebacken wird, bildet sich keine nennenswerte Kruste. Das dunkle, saftige Brot ist besonders bekömmlich und lässt sich vielfältig in Gerichte einbauen, beispielsweise als Pumpernickel Brotkuchen oder, etwas raffinierter, als scharfe Pflaumen mit Leberpaté und Pumpernickel.

Eine weitere Spezialität aus Westfalen ist Schlabberkappes. Das bedeutet so viel wie „Schmatzkohl“ und ist ein Eintopf mit Weißkohl und Fleisch. Traditionell kommt das im Herbst zur Kohlernte auf den Tisch und beinhaltet neben dem Hauptbestandteil Weißkohl noch Hack- oder Bauchfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Butterschmalz. Die Zubereitung variiert von Familie zu Familie und kann stark von der klassischen Form abweichen. Versuchen Sie sich doch auch einmal an diesem Rezept für den Eintopf!

Wer es gerne süß mag, könnte Gefallen an einem „Lippischen Pickert“ finden. Das ist eine Art Hefekuchen, der eine besondere Spezialität des Lipperlandes ist. Früher galt er als Arme-Leute-Essen, wird aber heute gern als eine Art Brunch serviert. Außerdem soll es die beste Stärkung am Morgen nach einer lippischen Hochzeit sein. Meist wird der Kuchen mit Marmelade oder Rübensirup serviert, aber Liebhaber des Herzhaften essen ihn auch gern mit Leberwurst. Wenn auch sie sich von dem Katerfrühstück überzeugen wollen, haben wir auch gleich das passende Rezept für Sie.

Alles in allem ist die westfälische Küche zwar bodenständig, aber dennoch sehr vielseitig. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei und wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Eintauchen in die Küche Westfalens!

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