Hefe – kleiner Organismus, große Wirkung

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Ohne ein gewisses kleines Lebewesen sähe unsere Welt trist aus. Wir hätten weder luftiges Brot, noch Bier, noch Wein, noch Pizza. Für viele ist es schwer vorstellbar, ohne diese Dinge auszukommen. Aber welches Lebewesen ist es, das so klein und doch so wichtig für unseren Alltag ist? Es ist natürlich die Hefe!

Aber was genau ist eigentlich Hefe und wo findet sie noch überall Anwendung? Wissenschaftlich definiert handelt es sich bei Hefen um Mikroorganismen, die zur Gruppe der Schlauchpilze gehören und sich meistens durch Sprossung vermehren. Es sind einzellige Pilze, die Feuchtigkeit, Wärme und Kohlenhydrate benötigen, um sich fortzupflanzen. Es gibt verschiedene Arten von Hefe. Wildhefen sind in der Natur weit verbreitet, gelten aber unter anderem als Verderbniserreger. Im Gegensatz dazu wird Kulturhefe unter kontrollierten Bedingungen in der Lebensmittelherstellung verwendet und hinsichtlich bestimmter Merkmale gezüchtet. Diese Hefe wird meist „Reinzuchthefe“ genannt.

Eigentlich haben wir andauernd mit Hefe zu tun, auch wenn es uns meist wohl gar nicht bewusst ist. Unter anderem befindet sich Hefe nämlich in Fruchtsäften, Blättern und Früchten, im Erdboden, auf faulem Holz, auf der Haut und im Verdauungstrakt von Menschen und Tieren, in der Luft, im Wasser und sogar in unserer Atmosphäre. Allerdings können Hefen nicht nur hilfreich sein, sondern auch zu einer echten Plage werden. Einige Arten verursachen Hautkrankheiten (wie z.B. Soor), Darmkrankheiten und andere Pilzinfektionen. Heutzutage ist ein Pilzbefall der Haut oder anderer Körperteile aber zum Glück leicht behandelbar und meist keine schlimme Sache.

Der größte Nutzen, den wir von der Hefe haben, ist der, dass sie unter Luftabschluss einen Gärungsprozess in Gang setzt, bei dem mithilfe hefeeigener Enzyme pflanzliche Stärken in Ethanol und Kohlendioxid gespalten werden. Der bekannteste Vertreter der Hefen, den wir wohl auch am häufigsten benutzen, ist die Saccharomycetaceae oder auch Bäckerhefe.

Nicht nur in der Lebensmittelindustrie ist die Hefe beliebt, sondern auch in der Forschung, vor allem auf dem Gebiet der Genetik. Der Hefepilz zählt nämlich zu den Eukaryonten und ist dem Menschen somit genetisch ähnlicher als klassische Modellorganismen wie Echerichia coli (Darmbakterium). Bis vor einigen Jahren wurde intensiv daran gearbeitet, Hefestämme genetisch zu verändern. Diese genveränderten Stämme wurden aber größtenteils nicht in der Lebensmittelindustrie genutzt. Heute nutzt man andere molekularbiologische Verfahren, um die Eigenschaften von Zuchthefen optimal an den jeweiligen Verwendungszweck anzupassen.

Für unser tägliches Leben ist wie gesagt die Bäcker- bzw. Bierhefe die wichtigste. Sie ist in flüssiger und fester Form erhältlich, z.B. als frischer Hefewürfel aus dem Kühlregal oder in Pulverform. Ihr hoher Gehalt an Biotin, Folsäure, verschiedenen Mineralstoffen und Spurenelementen, ebenso wie die zahlreich enthaltenen Aminosäuren, machen die Hefe nicht nur zu einem praktischen Hilfsmittel, sondern auch zu einer sehr gesunden Zutat. Backtriebmittel und Helfer in der Produktion von alkoholischen Getränken wie Bier und Wein, dafür wird die Hefe geschätzt. Aber die kleinen Mikroorganismen haben noch weit mehr auf Lager. Sie werden z.B. in der Produktion von Essig verwendet, außerdem für Ethanoltreibstoff und Arzneimittel gegen Durchfallerkrankungen und Haarausfall. Außerdem werden Hefen genutzt, um Schwermetalle wie Uran, Kadmium, Zink und Kupfer aus Abwässern zu filtern. Der Pilz ist also vielseitig einsetzbar. Aber wie hat die Menschheit überhaupt herausgefunden, was der kleine Alleskönner drauf hat?

Bereits die Phönizier brauten unter Zugabe von Hefe Bier. Die Ägypter entdeckten, wahrscheinlich durch ein Versehen, dass Hefe im Brot für einen lockeren, saftigen Teig sorgt. Sie begannen obergärig gebrautes Bier abzuschöpfen, um so Backhefe zu gewinnen. Dieses Wissen gaben sie an die Griechen und Römer weiter. Im Mittelalter begann man schließlich auch anderen Teigmischungen Hefe zuzufügen und so viele leckere Backwaren herzustellen, wobei die Methoden bis heute kontinuierlich verbessert und optimiert wurden.

Wer jetzt Lust hat, die Wirkung der Hefe in der eigenen Küche zu betrachten, sollte unbedingt eins der folgenden Rezepte probieren. Wer gesund lebt und ein leckeres Frühstück möchte, könnte z.B. diese super schnellen Vollkornbrötchen (Rezept) backen. Für alle Süßen und Verliebten haben wir Hefe-Streusel-Herzen (Rezept) zum Teilen und Genießen und natürlich darf auch der klassische italienische Pizzateig nicht fehlen. Wer vegan lebt oder einfach neugierig ist, kann aus Hefeflocken auch einen leckeren Schmelz (Rezept) zubereiten, der sich perfekt zum Überbacken eignet.

Natürlich gibt es noch viele weitere Back- und Kochrezepte, für die man Hefe benötigt. Also ran an die Öfen!

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn man nicht genau weiß, ob die Hefe im Kühlschrank noch frisch genug ist, reicht es einen kleinen Brösel in heißes Wasser zu werfen. Steigt er nach oben, ist die Hefe noch triebfähig und kann verwendet werden, ohne dass ein matschiger Kuchen oder andere Katastrophen dabei herauskommen.

Bild: Hellalulla
Quelle: wikipedia

 

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